Kommentar zu Blog Tierarzt Rückert 14.12.2025
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Leider wurde durch öffentlichkeitswirksame Positionierung prominenter Tierärzteschaft und mit dem m.E. massiven Abschotten der Tierärzteschaft nach neuer GOT damals verpasst, dass Haustierhalter und Tierärzte inhabergeführter Praxen an einem Strang ziehen und Kräfte bündeln. Diese verpasste Chance nutzt eben letztlich doch wieder den branchenfremden Haien.
Die Tierärzteschaft der inhabergeführten Praxen u.a. auf Social media hat damit aktiv zu diesen Entwicklungen beigetragen, die sie doch verhindern wollte. Man hätte erkennen müssen, es geht nur in Allianz MIT den Haustierhaltern und zwar der gesamten Haustierhalterschaft, nicht nur mit der tierlebenslang wohlhabenden Oberschicht. Diese Rechnung geht eben doch nicht auf, auch wenn sie verlockend einfach aussah: Haustierzahlen auf diese Weise zu reduzieren gegen übervolle Tierarztpraxen, Winwin für Tier und Tierärzteschaft, supi! Nein, das funktioniert aber nicht, und erst recht nicht tiergerecht, weil Tiere immer trotzdem gehalten werden, gerade in schwierigen Zeiten, aber es dann halt nicht mehr bis auf den Behandlungstisch schaffen. Man schafft dadurch zusätzliches Tierleid.
Wenn man in der Tierärzteschaft der Ansicht ist, Hund, Kaninchen und Katz ist ab jetzt Luxus und wer es sich nicht leisten kann zumindest beim Hund bis weit in den Mittelstand hinein, diese Leute dürften dann eben keinen Haustier mehr halten ( "selbst schuld-, was kümmerts uns?"), und wenn man in der Tierärzteschaft der inhabergeführten Praxen keine Lust hat, weiter zu denken, wenn die Tierkrankenversicherungen als ersehnter Heilsbringer sich als keine Lösung herausstellen und ebenso großinvestorengeführt mies sind und mies bleiben, dann braucht man sich nicht wundern, dass die Entwicklungen unweigerlich so kommen.
Hundefaktor.de hatte damals überlegt, wie man interdisziplinär gemeinsam agieren kann, um die jetzigen Entwicklungen zu verhindern und bei neuer GOT bezahlbare Haustierhaltung zu erhalten: mit Stärkung der inhabergeführten Tierärzteschaft, mit qualitativ dringend notwendigen Verbesserungen bei Tierkrankenversicherungen, gegen übervolle Praxen und Tierärztenotstand und mit Stärkung des Erhalts tiergerechter(!) Hundehaltung, (was u.a. Tierschutz, übervolle Tierheime, One Health mit Humanmedizin und auch aktive Kampagnen für gesündere, weniger tierarztnotwendige Hundehaltung miteingeschlossen hätte) für die gesamte Tierhalterschaft, was auch den Mittelstand miteinschließt und mit Reduzierung der Zahl der (kranken oder nicht tiergerecht gehaltenen) Haustiere über Aufklärung und Qualitätsanforderungen.
Die utopisch klingende, aber rational durchdachte Idee wäre gewesen, auf lange Frist eine für die Haustierhalter Deutschlands bezahlbare Pflichttierkrankenversicherung zumindest beim Hund einzuführen und man hätte mutig genug sein müssen, um die Machbarkeit gründlich, ganz gründlich(!) interdisziplinär zu durchdenken und durchzuberechnen, was dazu nötig gewesen wäre. Oder man hätte andere Lösungen suchen müssen und das auch nach Außen vermitteln müssen.
Aber Voraussetzung wäre gewesen, dass auch aus der Tierärzteschaft heraus der Willen zur Bündelung von interdisziplinären Kräften erkennbar gewesen wäre. So wäre eine aktive Kräftebündelung nicht nur mit der Haustierhalterschaft, sondern auch mit der Humanmedizin im Boot ja eigentlich ganz im Sinne der Wertschätzung des Tierarztberufes in Deutschland.
Zusammen mit weiteren Akteuren, Vertretern aus Politik, Tierschutz und Versicherungswirtschaft hätte man eine rationale und sinnvolle Lösung finden können und müssen.
Die in der Bevölkerung immer schon hohen Emotionen rund um Haustiere, darauf noch hinzukommend die emotionsaufgeladenen Coronafolgen rund um ums Haustier und Tierärzte(RKI!) und die enormen Haushaltszahlen mit Haustier dürfen nicht unterschätzt werden. Die wirken sich auf Wahlen aus und es gibt Massen von (zu Recht oder Unrecht) wütenden Haustierhaltern, die sich an der Urne für ihre Unzufriedenheit rächen. Daher bin ich traurig darüber, dass die Tierärzteschaft, die zu Recht die neue GOT bekommen hat, die in staatlicher Verantwortung liegt, sich ab da bei den Folgen weggeduckt hat, weil ja juristisch nicht zuständig, oder auch teils aggressiv und verächtlich reagiert hat gegenüber den berechtigten Sorgen der Haustierhalter in Deutschland.
Auch wenn es psychologisch verständlich sein mag, wenn man etwas wie die neue GOT hart durchgekämpft hat, dass man überspitzt gesagt im kostenverängstigten Tierhalter vielleicht nun seinen Aggressor und Feind sieht, ihn verachtet und ihm die Schuld dafür gibt, um sich nicht mit ethischen Folgen befassen zu müssen, und sein eigenes Territorium nicht nur abschottet, sondern mit Stacheldraht und Schießscharte versieht: Das Verhalten nutzt durch das Verpassen der Bündelung von Kräften und damit geschwächter Position sowohl von Tierärzteschaft als auch Tierhalterschaft letztlich nur den branchenfremden Großinvestoren und das nutzt an der Wahlurne denjenigen, die die Demokratie abschaffen wollen. Wir brauchen einen interdisziplinär angelegten think tank oder soll ich angesichts der rasanten besorgniserregenden Entwicklungen bei Tiermedizin-Big Playern und Politik resigniert sagen, hätten gebraucht?
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